
— Fargegaten
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Barrierefreiheit an der Kante Norwegens: Stavanger
Letzte Aktualisierung 2026-09-11
Am Rand Südwestnorwegens liegen charmante Städtchen mit Holzhäusern, lange Strände, grüne Kulturlandschaften, alte Leuchttürme, abwechslungsreiche Museen und wunderschöne Fjorde, die sich tief zwischen steile Felswände einschneiden. Die Region ist kompakt genug, um in kurzer Zeit viel zu erleben, während ihre Vielfalt Raum für viele unterschiedliche Interessen lässt.
Von Adele Heidenreich, Beraterin und Autorin für barrierefreien Tourismus
Adele hat die in diesem Artikel vorgestellten Orte selbst besucht und getestet, um ihre Barrierefreiheit in der Praxis zu beschreiben.
Ihre Reise führte über Jæren und entlang der Küste südlich von Stavanger, bis nach Sandnes und Stavanger. Adele war mit dem Auto und auf Krücken unterwegs, um zu sehen, welche Möglichkeiten in der Praxis bestehen. Während der Reise wurden Orte, Aktivitäten und Unterkünfte besucht und beurteilt, damit du von zu Hause aus leichter entsprechend deinen eigenen Bedürfnissen planen kannst. Das gilt unabhängig davon, ob du einen Rollstuhl oder andere Mobilitätshilfen nutzt, älter bist oder in anderer Form in deiner Mobilität eingeschränkt bist. Mit klaren Informationen lassen sich Reisen und Erlebnisse in der Region besser, verlässlicher und mit mehr Sicherheit planen.
In diesem Teil führt die Reise nach Stavanger.
Stavanger vereint auf engem Raum sehr viel: weiß gestrichene Holzhausstraßen, lebendige Hafenbereiche, Museen, kulinarische Erlebnisse, farbenfrohe Stadträume und Bootstouren hinein in die eindrucksvolle Fjordlandschaft.
Für einen ersten Überblick kann Hop-on-Hop-off City Sightseeing eine energiesparende und entspannte Möglichkeit sein, sich zu orientieren. Gleichzeitig bekommst du während der rund einstündigen Runde einen guten Eindruck von Entfernungen, Stadtteilen und den wichtigsten Sehenswürdigkeiten.
Die erste Haltestelle liegt zentral am Kreuzfahrthafen, nahe mehrerer der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Das Gelände ist flach und eben. Beim Einsteigen ist normalerweise ein kleiner Schritt vom Gehweg nach vorne oder eine Stufe vom Boden in den Bus nötig; es gibt jedoch eine Rollstuhlrampe. Innen gibt es einen breiten Mittelgang und einen eigenen Rollstuhlplatz. Das Oberdeck ist über eine schmale, gewundene Treppe erreichbar.
Stromma nennt auf der eigenen Website die Entfernungen von mehreren Haltestellen zu nahegelegenen Sehenswürdigkeiten. Das erleichtert die Planung, wo ein Ausstieg sinnvoll ist. Beachte jedoch, dass die Haltestelle bei Sverd i fjell etwa 350 Meter vom Denkmal entfernt liegt. Der Zugang führt über einen Gehweg mit Gefälle, und dieselbe Haltestelle wird auch für die Rückfahrt genutzt.
Ein praktischer Tipp ist, an der letzten Haltestelle auszusteigen, anstatt ganz zum Ausgangspunkt zurückzufahren. Dann liegt das Stavanger Maritime Museum direkt auf der anderen Straßenseite.
Das Museum passt ganz selbstverständlich in eine Stadt, in der das Meer für Handel, Arbeit und Identität von entscheidender Bedeutung war. Es befindet sich in einem alten Handelshaus, einem kombinierten Wohn- und Geschäftsgebäude, und vermittelt rund 100 Jahre Seefahrtsgeschichte, von Segel- und Dampfschiffen bis zu Stadtentwicklung, Warenhandel und Reedereiwesen. Alte Räume, Holzböden, niedrige Decken und knarrende Dielen verleihen dem Ort eine ganz eigene Atmosphäre und machen das Gebäude selbst zu einem Teil der Ausstellung.
Die Ausstellungen verteilen sich auf vier Etagen und sind mit dem Aufzug erreichbar, mit Ausnahme des kleinen Segellofts ganz oben. Dies ist nur über neun Stufen mit einem stabilen Handlauf auf einer Seite zugänglich. Es gibt mehrere Ruheplätze unterwegs. Wenn du das gesamte Museum sehen möchtest, solltest du mit rund 500 Metern Wegstrecke rechnen. Einige kleine Räume haben schmale Eingänge, die für Rollstühle und größere Mobilitätshilfen schwierig sein können, der größte Teil des Museums ist jedoch zugänglich. Es gibt außerdem ein barrierefreies WC.
Etwa 180 Meter vom Museum entfernt, entlang der Strandkaien und direkt bei der Touristeninformation, liegt Viking House. Hier wird Wikingergeschichte mit moderner Technologie vermittelt. Eine 15-minütige VR-Show über Harald Hårfagre wird jede halbe Stunde gezeigt, mit Platz für einen Rollstuhl pro Vorstellung. Der Zugang zum VR-Raum selbst erfolgt über zwei Stufen oder über eine Rampe, die bei Bedarf bereitgestellt wird.
Das Gebäude ist klein, mit Ticketverkauf und Souvenirshop, nur wenige Meter vom Erlebnis entfernt. Der Boden besteht aus Kopfsteinpflaster. Die Höhenunterschiede zwischen den Steinen sind zwar gering, der Untergrund ist jedoch nicht völlig eben. Hinter Viking House, in der Nedre Strandgate, gibt es mehrere öffentliche Parkplätze.
Einer der großen Höhepunkte in Stavanger ist die Möglichkeit, hinaus auf den Fjord zu fahren. Eine Bootstour auf dem Lysefjord in Richtung Preikestolen mit Rødne Fjord Cruise bietet ein großartiges Naturerlebnis, bei dem die Fjordlandschaft die Hauptrolle spielt. Vom Wasser aus steigen die Felswände steil empor, mit Wasserfällen, Felsformationen und Blick auf das ikonische Plateau hoch oben.
Die Tour dauert etwa drei Stunden. An Bord können Speisen und Getränke gekauft werden. Das Boot verfügt über eine Rampe beim Einstieg, ein barrierefreies WC und viel Bewegungsraum auf dem Hauptdeck. Die Schwellen zum vorderen Außendeck sind sehr niedrig.
Um auf die obere Ebene zu gelangen, musst du 11 steile Stufen mit Handläufen hinauf. Bildschirme im Inneren zeigen jedoch Aufnahmen von der Kamera an der Vorderseite des Bootes an, sodass du die Fahrt mitverfolgen kannst, ohne ständig hinein- und hinauszugehen.
Langs Strandkaien und in den Straßen dahinter liegt Gamle Stavanger, die Altstadt von Stavanger, mit der Øvre Strandgate als einem der bekanntesten Bereiche. Hier findest du weiß gestrichene Holzhäuser, Kopfsteinpflasterstraßen, kleine Gärten und eine ruhigere Atmosphäre als in den belebtesten Teilen des Zentrums.
Die Øvre Strandgate liegt höher als der Hafen und ist fast auf ganzer Länge gepflastert. Die Straße selbst ist rund 500 Meter lang und relativ flach, sobald du oben angekommen bist.
Von der Nedre Strandgate führt eine stufenlose, aber steile asphaltierte Steigung hinauf. Wenn du eine weniger steile Alternative brauchst, kann es besser sein, von der Seite der Kathedrale her zu kommen. Der Weg ist dann länger, aber weniger steil.
Mit einem Behindertenparkausweis kann es außerdem möglich sein, oberhalb der Øvre Strandgate einen Parkplatz in einer Bewohnerparkzone zu finden, allerdings ist dafür meist etwas Suche mit dem Auto nötig. Wenn das Kopfsteinpflaster zu schwierig ist, hat Gamle Stavanger den Vorteil, dass die Atmosphäre sofort spürbar ist und du dich nicht weit bewegen musst, um einen klaren Eindruck vom Ort zu bekommen.
Die Stavanger-Domkirche, die Kathedrale von Stavanger, gehört zu den wichtigsten historischen Gebäuden der Stadt und lässt sich bei einem Stadtrundgang gut besuchen. Sie verfügt über automatische Türöffner und stabile Plattformlifte, die den Zugang zu den verschiedenen Ebenen im Gebäude ermöglichen. Die schönste Seite der Kirche liegt auf der Rückseite und ist über eine kurze Steigung mit festem Erduntergrund und einer dünnen Kiesschicht erreichbar.
Kunsthall Stavanger bietet ein zeitgenössischeres Kulturerlebnis mit wechselnden Ausstellungen. Das Gebäude ist klein und übersichtlich. Die Ausstellung befindet sich auf einer Ebene und verteilt sich auf drei stufenlos zugängliche Räume. Für die gesamte Ausstellung solltest du mit rund 350 Metern Wegstrecke rechnen.
Vor Kurzem wurde vom Parkplatz an der Gebäudeseite eine Rampe installiert. Wenn die Besucherparkplätze voll sind, gibt es auf der anderen Seite Bewohnerparkplätze, die mit Behindertenparkausweis genutzt werden können. Die Kunsthalle verfügt über ein barrierefreies WC im Untergeschoss, erreichbar mit einem Treppenlift. Die übrigen Toiletten sind nur über Treppen zugänglich.
Fargegaten, oder Øvre Holmegate, hebt sich mit seinen farbenfrohen Fassaden, Cafés und Bars deutlich von der weißen Holzhausbebauung in Gamle Stavanger ab.
Der farbenfrohe Abschnitt ist etwa 100 Meter lang. Der Untergrund besteht aus abgenutztem Kopfsteinpflaster, dessen Höhenunterschiede gut ausgeglichen sind. Von Østervåg beginnt die Straße mit einer steilen Steigung und wird danach flach. Für manche kann es daher einfacher sein, von der Kirkegata aus hineinzugehen. So gelangst du direkt in den flachen Abschnitt, in dem die meisten Restaurants und Geschäfte liegen. Viele Lokale haben einen stufenlosen Eingang oder eine Rampe, aber nicht alle.
Rund 160 Meter bergab von Fargegaten liegt das Norwegische Erdölmuseum, eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Stavangers. Das Museum bietet eine spannende Einführung in die Geschichte des Erdöls und verbindet Industriegeschichte, Technologie, gesellschaftliche Entwicklung und Energie. Dadurch wird deutlich, welche Bedeutung die Branche für Stavanger, Norwegen und unseren Alltag hatte.
Das Gebäude liegt am Hafen. Auf der anderen Straßenseite gibt es zwei Behindertenparkplätze rund 75 Meter vom Eingang entfernt. Der Besuch beginnt mit einigen Metern über Kopfsteinpflaster, bevor du in ein Museum kommst, das ansonsten weitgehend stufenlos ist.
Stavanger ist auch als kulinarische Stadt bekannt, und die Pedersgata hat sich zu einem der spannendsten kulinarischen Viertel entwickelt, mit internationalen Aromen, lokalen Anbietern und ungezwungenen Restaurants.
Vom Nytorget beginnt die Straße mit einer kurzen, aber etwas steilen Steigung. Ähnlich ist es in mehreren Seitenstraßen, wo sich häufig öffentliche Parkplätze befinden. Zum Glück wird die Straße schnell flacher, und das eigentliche Gastronomieviertel erstreckt sich über rund 500 Meter mit überwiegend guten, breiten Gehwegen.
Viele Restaurants haben einen stufenlosen Eingang oder eine Rampe, aber nicht alle. Daher kann es sinnvoll sein, vorher nachzufragen. Das Viertel ist beliebt, und eine Tischreservierung wird empfohlen. Bao und Dumplings bei YIPS sind eine besonders gute Wahl.
Für eine Übernachtung in Stavanger ist das Clarion Hotel Energy eine gute Option außerhalb des ältesten Teils des Stadtzentrums, etwa neun Autominuten vom Zentrum entfernt. Das Hotel ist ein großes Konferenzhotel, doch Lobby, Bar, Restaurant und der Aufzug zu den Zimmern liegen kompakt in der Nähe des Eingangs, mit breiten Durchgängen und großzügigen Gemeinschaftsflächen. Das Hotel bietet außerdem barrierefreie Zimmer. Restaurant und Frühstücksbereich liegen auf derselben Ebene wie die Lobby, mit kurzem Weg zwischen Buffet und Tischen. Rund 50 Meter vom Eingang entfernt gibt es zwei Behindertenparkplätze sowie weitere Parkmöglichkeiten etwas weiter unten an der Seite der DNB Arena.
Es kann sinnvoll sein, das Hotel vor der Anreise auf einige Details hinzuweisen. Der Duschkopf sollte am unteren Ende der Duschstange angebracht sein, damit er im Sitzen erreichbar ist. Wenn du einen Rollstuhl nutzt, sollte das Hotel außerdem sicherstellen, dass sich die Vorhänge ohne Hindernisse öffnen und schließen lassen.
Ullandhaug Økologiske Gård fällt dadurch auf, dass der Hof sehr nah an einem größeren Stadtgebiet liegt. Höfe verbindet man oft mit offenem Land und weiten Entfernungen, doch hier liegen Tiere, Felder und Hofgebäude kompakt rund um den Parkplatz, mit Aussicht auf die umliegende Landschaft.
Der Hof verfügt über stufenlose Lösungen, Rampen zum Gebäude und ein barrierefreies WC. Zäune und Netze rund um die Tiere sind so angelegt, dass man unabhängig von der Höhe gut sehen kann. Der Untergrund wechselt zwischen Asphalt, fester Erde mit einer dünnen Kiesschicht, schwerer befahrbarem Gras und unebenerem Gelände rund um das Feld.
Das Feld liegt allerdings etwas tiefer, sodass du auch ohne ganz hinunterzugehen einen guten Überblick bekommst. So lassen sich Tiere, Hofatmosphäre und Aussicht erleben, auch wenn du dich auf die einfacheren Bereiche des Geländes beschränkst.
Eines der bekanntesten Denkmäler der Region liegt am Hafrsfjord. Sverd i fjell, die Schwerter im Felsen, sind ein kraftvolles und leicht wiedererkennbares Wahrzeichen. Drei große Schwerter erinnern hier an die Schlacht im Hafrsfjord und die Einigung Norwegens.
Das Denkmal steht offen direkt am Wasser und lässt sich daher auch aus etwas größerer Entfernung gut erleben.
Der Parkplatz liegt derzeit nur rund 50 Meter von den Schwertern entfernt, soll aber nach Plan auf ein neues Gelände etwa 200 Meter weiter weg verlegt werden. Der Zugang von dort scheint über einen flachen asphaltierten Weg entlang des Wassers und des Strandes zu führen; die Arbeiten sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Der unmittelbare Bereich um die Schwerter ist anspruchsvoller, mit Fels, Steinen, Erde und unebenen Abschnitten. Viele werden trotzdem recht nah herankommen können, besonders mit etwas Hilfe. Wenn du einen weniger unebenen Zugang benötigst, ist es am besten, dich den Schwertern von der linken Seite aus zu nähern, vom Parkplatz aus gesehen.


































